Logischer Empirismus
Wesentliche wissenschaftstheoretische Grundlagen für die wissenschaftliche Psychologie bildete das Paradigma des logischen Empirismus. Der logische Empirismus ist jene wissenschaftstheoretische Strömung, die sich aus dem Wiener Kreis um Moritz Schlick entwickelt hat. Er bemüht sich um die Propagierung eines "wissenschaftlichen'' Weltbildes, das Kontrollierbarkeit, Überprüfbarkeit und Erfahrungsbezug der Aussagen fordert, also genau jene Merkmale, die in der Psychologie auch heute noch als methodenkonstituierend angesehen werden. Grundlage dieser Anschauung ist der logische Positivismus, nach dem am Anfang jeden Erkennens das unmittelbar erlebnismäßig Gegebene (der Erlebnisinhalt) steht. Mit den Mitteln der induktiven Logik soll dann nachgewiesen werden, daß und wie die einzelnen Gegenstände der Erkenntnis auf das Gegebene zurückführbar sind. Breuer zitiert folgende Kernaussagen des Wiener Kreises: Reduktion der Philosophie auf die Wissenschaftstheorie; Unterscheidung von analytischen (Logik und Mathematik) und synthetischen (empirischen) Wissenschaften; Logizismus (Reduktion der Mathematik auf Logik); Physikalismus (Reduktion aller empirischer Disziplinen auf die Physik). Als Sinnkriterium wurde die Verifizierbarkeit von Sätzen gefordert, deren Gültigkeit sich prinzipiell logisch herleiten lassen muß; bei den empirisch-synthetischen Sätzen kommt außerdem noch das Aufzeigen von erlebnismäßigen Gegebenheiten hinzu. Dazu dienen Protokollsätze der Form "Die Person X hat zur Zeit t am Ort O das und das wahrgenommen.'' induktionBereits die klassischen Empiristen versuchten, menschliches Wissen durch Induktion zu erklären: Man gelangt durch induktive Verallgemeinerung von wahrgenommenen Gegebenheiten zur Erkenntnis von Gesetzmäßigkeiten. Nach Ansicht der logischen Empiristen kann dagegen das Wissen nicht mit theoriefreier Sinneserfahrung oder Beobachtungen beginnen, sondern es sind schon theoretische Konzeptionen (Annahmen, Begriffe etc.) vorauszusetzen. Das Induktionsprinzip wird von den logischen Empiristen daher nur zur Begründung und nicht zur Herleitung von Erkenntnissen eingesetzt: Vorhandenes theoretisches Wissen soll durch Elementaraussagen (Protokollsätze) mithilfe des Regelwerks der induktiven Logik gerechtfertigt werden. Diese Art der Verifikation wurde später in abgeschwächter Form nur noch als Prüfbarkeit bezeichnet. Der logische Positivismus unterscheidet analytische Sätze und Basissätze. Aus Basissätzen und analytischen Sätzen können weitere Sätze abgeleitet werden. Problematisch ist bei dieser Verwendung des induktiven Schließens jedoch, daß ein über die beobachteten Fälle hinausgehender Erweiterungsschluß vorgenommen wird, der möglicherweise zu vorschnellen Verallgemeinerungen führt. Außerdem ist das Induktionsprinzip selbst weder mit logischen Mitteln noch mithilfe der Erfahrung begründbar.

Quelle: arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPS...
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